Die Howaldtswerke Hamburg 1965


Fotos und Abbildungen:

Sammlung Ralf Thorein
 

Wappen von Hamburg (1965)

Bild zum vergrößern anklicken
800x530, 76 KB

Bild zum vergrößern anklicken  (1525x521, 62 KB)

Die Werftanlagen der Howaldtswerke Hamburg A.-G. sind in den Jahren 1907 bis 1909 von den Vulcan-Werken in Stettin errichtet worden. Diese Werft konnte in Stettin die damals in Auftrag genommenen großen Schnelldampfer nicht mehr bauen, weil die dortigen Helgenanlagen und das Fahrwasser der Oder nur beschränkte Baumöglichkeiten boten. Die Hamburger Werft ist also von Anfang an für den Bau von großen Schiffen angelegt worden, die bekannten ersten Neubauten des Hamburger Vulcans sind alles große Übersee-Schiffe gewesen, wie z. B. der „Imperator" für die Hamburg-Amerika Linie, das seinerzeit größte Schiff der Welt, die „Cap Trafalgar" für die
Hamburg-Süd, Linienschiff „
Friedrich der Große", Schlachtschiff „Großer Kurfürst" usw.
Nach Beendigung des Weltkrieges 1914-1918 baute der Hamburger Vulcan Handelsschiffe mittlerer und größerer Art für verschiedene in- und ausländische Reedereien.

Die Werft am offiziellen Eröffnungstag am 21. Juni 1909 im Beisein des Kaisers
Bild zum vergrößern anklicken

Als der Wiederaufbau der deutschen Handelsflotte nach dem ersten Weltkrieg beendet war und eine große Wirtschaftskrise zahlreiche Werften zu wesentlichen Betriebseinschränkungen und teilweise zu Stillegungen zwang, wurden die Vulcan-Werke Hamburg an die Deutsche Schiffs- und Maschinenbau A.G. verkauft, die aber nur zwei Jahre lang den Betrieb weiterführte und sich dann ebenfalls gezwungen sah, den Hamburger Betrieb zu veräußern.

Um diese Zeit, Anfang 1930, übernahmen die Howaldtswerke in Kiel den größten Teil des Hamburger Vulcans und die ebenfalls in Hamburg in Konkurs gegangene Werft von Janssen & Schmilinsky. Beide Betriebe wurden vereinigt und unter der Bezeichnung Howaldtswerke A.-G., Werk Hamburg, weitergeführt. Ein Teil des alten Hamburger Vulcans, nämlich der gesamte maschinenbauliche Betrieb am Hachmannkai, konnte nicht mit übernommen werden und wurde verschrottet.

Als dann in den dreißiger Jahren die allgemeine Geschäftslage im Schiffbau wieder besser wurde, fand ein langsamer Wiederaufbau der Werftanlagen statt. Vor allem wurden die 1929/30 abgewrackten maschinenbaulichen Werkstätten neu errichtet und auf das modernste ausgestaltet.

Anfang des Krieges wurde der Hauptsitz der Howaldtswerke A.-G. von Kiel nach Hamburg verlegt, 1952 fand eine Trennung der beiden Howaldtbetriebe in Hamburg und Kiel statt. Seit dieser Zeit bestanden zwei selbständige Werftbetriebe, die den Familiennamen Howaldt in der Firma führen, nämlich die Howaldtswerke Hamburg A.-G. und die Kieler Howaldtswerke A.-G.
Die Aktien beider Betriebe gehörten seit 1937 dem Reich bzw. der Bundesrepublik.

Die erheblichen Zerstörungen, die im Laufe des zweiten Weltkrieges eintraten, konnten nicht gleich nach Kriegsende beseitigt werden. Erst nach der Währungsreform im Jahre 1948 begann der langsame, aber systematische Wiederaufbau der Anlagen.

Die alte Kapazität, die die frühere große Hamburger Vulcan-Werft hatte, wurde nicht nur erreicht, sondern durch die modernen Arbeitsverfahren erheblich gesteigert.

Die gegen Ende der 50er-Jahre auf der Werft beschäftigten rund 10000 Arbeiter und Angestellten erzielten ein Vielfaches des Produktionsausstoßes, den man mit derselben Zahl
von Mitarbeitern 30 Jahre früher erreichen konnte.

Die Howaldtswerke waren nicht nur Schiffswerft, sondern zu einem erheblichen Teil Maschinenfabrik. Neben Schiffen jeder Art und Größe wurden Motoren,Turbinen und Dampfmaschinen nach eigener Konstruktion und nach MAN-Lizenz gebaut.

Zu erwähnen ist ferner eine Abteilung Tank- und Stahlbau, die Tankanlagen, Behälter und
Apparate für die Ölindustrie herstellte.

In der Nachkriegszeit wurden die Howaldswerke Hamburg A.-G. bekannt durch den Bau von Großtankern. Auf den Helgen der Hamburger Werft sind die beiden 47000 tdw großen Tankschiffe „Tina Onassis" und „AI-Malik Saud AI-Awal" gebaut worden. Zum Zeitpunkt ihrer Ablieferung waren dies die größten Tankschiffe der Welt. Auf der Helgenanlage wurden nach Verlängerung des Doppelhelgens 3 im Jahre 1961 Tanker wie die „Esso Deutschland“ und „Esso Bayern“ mit einer Tragfähigkeit bis zu 95000 tdw gebaut.
 

Die Maschinenanlagen, also die Diesel-Motoren und Turbinen, hat die Werft für die meisten ihrer Schiffsneubauten in eigenen Werkstätten selbst hergestellt. In Zeiten der Vollbeschäftigung war es ein großer Vorteil, dass man nicht darauf angewiesen war, Maschinen, Motoren und Turbinen von Spezialfabriken zu beziehen, da diese häufig sehr lange Lieferfristen hatten, wodurch sich unter Umständen die Ablieferung eines Schiffes verzögern könnte. Die Diesel-Motoren baute die Werft auf Grund eines Lizenzvertrages mit der MAN nach den Zeichnungen und Unterlagen der Maschinenfabrik Augsburg-Nürnberg, während die Turbinen eigene Konstruktion waren.
Aufgrund der immer schwieriger werdenden Lage im Schiffbau beschlossen das Bundesschatzministerium als Eigentümerin der Howaldtswerke Hamburg und Kiel sowie die GHH als Eigentümer der Deutschen Werft im November 1967 die Gründung einer gemeinsamen Betriebsgesellschaft.


Ab 1. Januar 1968 wurden die Werften als
Howaldtswerke - Deutsche Werft A.G., Hamburg und Kiel
weitergeführt.

Unter den Neubauten, die noch unter der alten HWH-Baunummer ausgeführt wurden, war 1968 mit der „Encounter Bay(Bau-Nummer 1000) das damals größte Containerschiff der Welt.
Der Stapellauf dieses ersten von insgesamt vier Schwesterschiffen am 5. Juni 1968 fand überall große Beachtung.

 

Howaldstwerke – Deutsche Werft A.G., Hamburg und Kiel


Zunächst sollten die einzelnen Aktivitäten gebündelt werden, was dazu führte, dass der Schiffsneubau im Werk Ross (ehemals Howaldtswerke Hamburg) eingestellt wurde und hier nur noch die Ausrüstung der Neubauten, die Schiffsreparatur sowie der Maschinenbau ausgeführt wurde.
Die bereits geplanten Investitionen im Werk Ross wurden nicht mehr weiter verwirklicht, lediglich die bereits begonnenen Modernisierungen wurden noch beendet.
 In den Folgejahren (1973) wurde zunächst der Schiffsneubau in Finkenwerder (ehemals Deutsche Werft) aufgegeben, später (1982/83) auch der Reparaturbetrieb Reiherstieg geschlossen.

Das führte dazu, dass der Schiffsneubau im Werk Ross 1974 wieder aufgenommen wurde.
Unter den Schiffsneubauten waren auch vier Tanker mit 137 160 tdw für polnische und deutsche Reedereien, diese Schiffe sind die größten, die auf diesem Schiffbauplatz erstellt wurden. Insgesamt sind in den Jahren 1974 – 1983 25 Schiffe gebaut worden, darunter die „
Astorund mit der „Transocean 4auch eine Bohrinsel.

1981 wurden dann die übriggebliebenen Teile des Helgengerüstes demontiert.

Im März 1983 hat der HDW-Vorstand die Entlassung von insgesamt rund 4000 Mitarbeitern bekannt gegeben, 2397 davon allein in Hamburg. Die Anfang 1982 beschlossenen Personaleinsparungen reichen nicht aus.
Die Stadt Hamburg zeigt kein Interesse an einer Übernahme bzw. finanziellen Beteiligung des ausgedünnten Hamburger Werkes, nur bei einem neuen Konzept sei man bereit, sich zu beteiligen. Zu diesem Zeitpunkt hält der Salzgitter-Konzern 74,9% und das Land Schleswig-Holstein 25,1% der Beteiligungen. So kam man zu der Erkenntnis, dass es besser sei, in Kiel weiter zu investieren als in Hamburg.
Mit der Ablieferung der „
Karsten Wesch1983 wurde der Schiffsneubau in Hamburg erneut eingestellt, das Werftgelände um 100 000 Quadratmeter verkleinert, u.a. auch um die vor wenigen Jahren neu errichtete Schiffbauhalle.
Im September 1983 besetzen die Beschäftigten aus Protest gegen die nun drohenden Massenentlassungen für eine Woche die Werft – umsonst. Werftchef Ahlers erklärt, dass die Entlassungen durchgeführt werden müssen, um die restlichen insgesamt rund 8000 Arbeitsplätze zu sichern.


Das Ende dieses Werftbetriebes zeichnete sich nun deutlich ab.

Trotzdem wird im Oktober 1984 noch einmal Hoffnung geweckt. Die „United States“ soll für 400 Millionen DM umgebaut werden. Voraussetzung ist eine 100 Millionen-Hermes-Bürgschaft des Bundes.
Die Mitarbeiter werden im Hamburger Abendblatt zitiert: „Wir glauben es erst, wenn sie im Dock liegt.“
Im Dezember heißt es, die Finanzierung sei gesichert, ein halbes Jahr später, der Umbau sei nun greifbar nahe. Im Oktober 1985 ist es klar, dass die „United States“ nun doch nicht kommt
 

 

HDW – Hamburg, Werft und Maschinenfabrik GmbH

Der nächste Schritt bis zur endgültigen Stillegung war kurz: Am 1. Oktober 1985 wurde der Hamburger Betrieb endgültig aus dem Werftenverbund ausgegliedert und als 100%ige Tochter der Howaldtswerke – Deutsche Werft AG, Kiel, verselbständigt.

Zu diesem Zeitpunkt waren noch etwa 2200 Mitarbeiter beschäftigt.
Man wollte sich auf die Reparatur und den Maschinenbau konzentrieren und durch den Bau von Spezialschiffen das Überleben sichern, wie mit dem Bau der Luxusyacht „Katalania“, man hoffte in der Folgezeit auf weitere Aufträge dieser Art.

Die neue Selbständigkeit dauerte jedoch nicht lange.

Bereits am 21. November 1985 wird der Verkauf des Hamburger Betriebes rückwirkend zum 1. Oktober an Blohm & Voss gemeldet, also dem Tag, an dem die neue Selbständigkeit begann.
Am 28. November verkündet der Vorstandsvorsitzender der HDW, Klaus Ahlers:
„Die Arbeitsplätze werden sicherer!“
Doch bereits am 6. Dezember heißt es: 350 Arbeitsplätze gehen verloren.
Anfang Januar 1986 sind 500 Beschäftigte von Kurzarbeit betroffen.

 

Es wird noch bis zum 14. Februar 1986 um das Startkapital verhandelt, dann wird der Vertrag endgültig unterzeichnet.

Aus HDW Hamburg wird nun
Ross Industrie GmbH als selbständiges Tochterunternehmen
der Blohm + Voss – Gruppe.

 

Es dauert nur ein Jahr, bis die wahre Absicht von Blohm + Voss verkündet wird:
Ross Industrie wird stillgelegt!
Wieder ist von 350 Entlassungen die Rede.
Innerhalb der nächsten drei Jahre wird Schritt für Schritt der Betrieb heruntergefahren, bis das endgültige Aus erfolgt.

Die einst glanzvolle Werft existiert nicht mehr.


 

[Home] [Howaldtswerke Hamburg] [Die Werft] [Schiffe] [Wappen von Hamburg] [Jahreshefte] [Bauliste Vulcan-Hamburg] [Bauliste HWH 1929-1969] [Bauliste HDW-Werk Ross] [Rumänien] [Kontakt]